{"id":605,"date":"2025-05-31T18:06:38","date_gmt":"2025-05-31T09:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/ichirokojima.com\/?p=605"},"modified":"2025-05-31T23:51:58","modified_gmt":"2025-05-31T14:51:58","slug":"munich_speech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/ichirokojima.com\/de\/2025\/05\/31\/munich_speech\/","title":{"rendered":"Redemanuskript f\u00fcr die Er\u00f6ffnungsfeier der Fotoausstellung in M\u00fcnchen vom 12. Juli bis 13. August 2023."},"content":{"rendered":"<p>Die Einzelausstellung DIE QUADRATISCHE HEIMAT wurde ab dem 12. Juli 2023 f\u00fcr einen Monat im Ublacker Hausl in M\u00fcnchen, Deutschland, gezeigt.<br \/>\nDie Rede, die ich bei der Er\u00f6ffnungsfeier am ersten Tag der Ausstellung gehalten habe, ist nachstehend wiedergegeben.<\/p>\n<ul class=\"thumb\">\n<li>\n<a href=\"\/img\/munich_01.png\" data-lity title=\"\"><br \/>\n  <img decoding=\"async\" src=\"\/img\/munich_thumb_01.png?20\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a>\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"\/img\/munich_02.png\" data-lity title=\"\"><br \/>\n  <img decoding=\"async\" src=\"\/img\/munich_thumb_02.png?20\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a>\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"\/img\/munich_03.png\" data-lity title=\"\"><br \/>\n  <img decoding=\"async\" src=\"\/img\/munich_thumb_03.png?20\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a>\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"\/img\/munich_04.png\" data-lity title=\"\"><br \/>\n  <img decoding=\"async\" src=\"\/img\/munich_thumb_04.png?20\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a>\n<\/li>\n<li>\n<a href=\"\/img\/munich_05.png\" data-lity title=\"\"><br \/>\n  <img decoding=\"async\" src=\"\/img\/munich_thumb_05.png?20\" alt=\"\"><br \/>\n<\/a>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"height:40px\">\n<p>Vielen Dank, dass Sie heute so zahlreich erschienen sind. Ich f\u00fchle mich sehr geehrt, eine so wunderbare Ausstellung veranstalten zu d\u00fcrfen.<br \/>\nIch m\u00f6chte mich von Herzen bei denen bedanken, die mich dabei unterst\u00fctzt haben: dem Bildhauer Karel Fron, den Mitarbeitern der Galerie sowie meinen Freunden in M\u00fcnchen.<br \/>\nLassen Sie mich zur Er\u00f6ffnung eine kurze Rede halten. Ich bitte meine Freundin Veronika, sie zu \u00fcbersetzen.<br \/>\nAls ich im Jahre 1984, also vor 39 Jahren, das erste Mal nach M\u00fcnchen kam, war ich gerade 18 Jahre alt.<br \/>\nIch bin von Paris getrampt, und als ich in M\u00fcnchen ankam war es sp\u00e4t in der Nacht und regnete. Ich erinnere mich, dass ich auf einem Platz in der N\u00e4he des Rathauses zur\u00fcckgelassene St\u00fchle einsammelte, um auf ihnen meinen Schlafsack auszubreiten.<br \/>\n\u00dcbrigens geht man in Japan mit 18 eigentlich noch zur Schule, aber ich habe mittendrin abgebrochen.<br \/>\nDie Schulbildung in Japan legt mehr Wert auf die Erziehung zur Harmonie (man k\u00f6nnte auch sagen Gleichf\u00f6rmigkeit) als darauf , die Individualit\u00e4t zu wecken. Man ist gezwungen, die gleiche Kleidung und Taschen zu tragen, und sich als Junge die Haare lang wachsen zu lassen ist unverzeihlich. Wer durch auff\u00e4llige Kleidung aus der Masse heraussticht oder eine andere Meinung \u00e4u\u00dfert, ist bei den Lehrern nicht willkommen. Ich konnte diesen eingeengten Alltag nicht mehr ertragen und bin ich aus Japan geflohen.<br \/>\nNach etwa acht Monaten bin ich nach Japan zur\u00fcckgekehrt , bestand die Aufnahmepr\u00fcfung f\u00fcr die Universit\u00e4t und studierte. In der Zeit bin ich fast jedes Jahr nach Europa gefahren und mehrere Monate rumgereist.<br \/>\nDie Atmosph\u00e4re in Europa war voller Freiheit. Die Leute, die ich traf, hatten Freude daran zu trinken und zu diskutieren und waren immer neugierig, meine pers\u00f6nliche Meinung h\u00f6ren.<br \/>\nEs war nicht wichtig, was ich als durchschnittlicher Japaner dachte, sondern was ich pers\u00f6nlich dachte. Wichtiger als Nationalit\u00e4t oder Bildungshintergrund war die Frage \u201eWas f\u00fcr ein Mensch bist du?\u201c und ich sp\u00fcrte die schonungslose H\u00e4rte, wie ein Erwachsener behandelt zu werden, aber es war etwas Neues und angenehm. Bis dahin hatte ich kein Selbstvertrauen, und es hat mich st\u00e4rker gemacht.<br \/>\nNun, die hier heute ausgestellten Portraits zeigen also Menschen, die in einer sogenannten Doya-gai, einem Problembezirk in der N\u00e4he von Tokyo leben.<br \/>\nDie meisten von ihnen leben von einer geringen Wohlfahrtg. Es sind Menschen, die wegen einer Reihe ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde ihre Arbeit, ihr Eigentum und sogar ihre Familien verloren haben.<br \/>\nWenn ich sie ansehe stellt sich mir die Frage, woran die Menschen bis zum Schluss festhalten.<br \/>\nIronischerweise tritt das \u201eSelbst\u201c besonders stark in den Vordergrund, wenn Menschen in so eine Situation geraten. Man k\u00f6nnte es auch \u201eStolz\u201c nennen und ich denke es ist sch\u00f6n.<br \/>\nWas f\u00fcr einen Eindruck machen die Fotos auf Sie?<br \/>\nWenn mir in meiner Jugend in Europa nicht die Bedeutung des Respekts dem Einzelnen gegen\u00fcber beigebracht worden w\u00e4re, w\u00e4re mir ihre Sch\u00f6nheit vielleicht nie aufgefallen.<br \/>\nBis heute ist M\u00fcnchen eine sehr vertraute Stadt voller Erinnerungen und toller Freunde, deshalb freue ich mich besonders, dass Sie in dieser Stadt meine erste Einzelausstellung in Europa sehen k\u00f6nnen.<br \/>\nVielen Dank f\u00fcr Ihre Zeit heute.<\/p>\n<p>(\u00fcbersetzt von Veronika Senda)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Einzelausstellung DIE QUADRATISCHE HEIMAT wurde ab dem 12. 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